Reisebewertung: Winter zwischen St. Moritz und Zermatt vom 10.02.2009

Alle Bewertungen

Einstellungsdatum: 10.02.2009
Name: M. S.
Reisedatum: 20.02.2008
Bewertungen: 1 (Wie bewerten Sie Ihren Zug ?)
1 (Wie beurteilen Sie Ihre Hotelunterbringung)
1 (Gesamtorganisation der Reise)
2 (Preis-Leistungsverhältnis)
2 (die Abwicklung im Hause bahnurlaub.de)
1 (die Reiseunterlagen)
Bewertung Winter in der Schweiz - da muss man auch mit unerwarteten Wetterkapriolen rechnen. Hier zeigt es sich dann um so mehr, ob ein Reisebüro kompetent, flexibel und kundenfreundlich reagieren kann, wenn Schwierigkeiten auftreten.
Und von solchen Schwierigkeiten gilt es hier zu berichten. Wir reisten Anfang Februar mit 5 Personen, darunter eine Rentnerin von 74 Jahren, als eingefleischte Eisenbahnfans aus dem Harz ins Engadin nach St. Moritz, um die beiden berühmten Züge Bernina- und Glacier-Express endlich einmal im Winter erleben zu können. Auf diese Reise freuten wir uns schon ein halbes Jahr.
Die Anreise in allen Zügen 1. Klasse klappte ausgezeichnet. Vom Hotel Soldanella in St. Moritz können wir ob seiner Umsichtigkeit, Flexibilität, seines Charmes, seiner Ruhe und Gastfreundlichkeit nur in den höchsten Tönen schwärmen.
Am ersten Tag stand der Bernina-Express auf dem Programm, und die Fahrt über den gleichnamigen Pass gestaltete sich wegen der schon ganz beträchtlichen Schneemengen dort oben zu einem einmaligen Erlebnis.
Doch dann begann der Scheefall, über Tage und Nächte, so viel, wie seit 20 Jahren im nun wahrlich nicht schneearmen Graubünden nicht mehr, und brachte am dritten Tag unseres Urlaubs alles zum Erliegen. Von St. Moritz aus waren alle 3 abgehenden Bahnstrecken (Bernina-Linie, Albula-Linie und Scuol/Vereina-Linie) wegen akuter Lawinengefahr gesperrt, und als wir um 9.00 Uhr morgens mit unseren Koffern auf dem Bahnhof ankamen, herrschte das pure Chaos. Der Glacier war natürlich auch gestrichen, Hunderte von Reisenden saßen ratlos auf ihren Koffern, niemand wusste, wie es weitergehen sollte. Uns kamen nun ernsthafte Bedenken, wie und wo wir wohl die nächste Nacht verbringen sollten, denn unsere Unterkunft war das weit entfernte Zermatt, es war Samstag und St. Moritz war eigentlich wegen der berühmten internationalen Polo-Veranstaltung auf dem Moritzer See restlos ausgebucht.
Was tun? Natürlich Kontakt mit unserem Reiseveranstalter in Deutschland aufnehmen. Dies gestaltete sich anfangs ziemlich schwierig und nervenaufreibend; wir führten über einen Zeitraum von mehr als 3 Stunden schätzungsweise 20 Telefonate mit einer freundlichen, aber in unseren Augen ziemlich überforderten Dame, die uns zunächst Ersatzfahrpläne nach Zermatt faxte, die allesamt Makulatur waren, weil ja gar keine Züge gingen, dann uns wieder zum Hotel zurückschickte, wo es aber keine Zimmer für uns gab, und zum Schluss ernsthaft von uns verlangte, mit einem Bus (!!!) nach Chur zu fahren (Fahrzeit bei gutem Wetter mindestens 3 Stunden), um von dort über das weit entfernte Zürich und Bern schließlich irgendwie nach Zermatt zu kommen. Unser Vorschlag, sich einfach für uns um Ersatzzimmer in St. Moritz zu kümmern (wir hatten die Hoffnung, dass Urlauber stornieren, weil sie auch nicht anreisen konnten) und den Glacier auf den nächsten Tag umzubuchen, wurde abgelehnt, es hieß, wir müssten unbedingt nach Zermatt, weil sonst Stornogebühren entstünden, die das Reisebüro an uns weitergeben würde. Die Dame bestand darauf, dass wir den Bus nach Chur nehmen müssten. Einen Bus, den es nebenbei erwähnt nicht gab. Die RhB hatte in dem Chaos lediglich einen einzigen kleinen Postbus chartern können (für Hunderte von Reisenden), und der pendelte in großem zeitlichen Abstand nur zwischen St. Moritz und S-chanf, das sind etwa 20 km. Wie es von da weitergehen sollte, war offen; es hieß, es gäbe einen Zug nach Chur über Klosters, aber auch diese Strecke könne jederzeit wegen Lawinengefahr gesperrt werden.)
Davon, dass unsere Reise ja eigentlich "Glacier-Express Classic" hieß und wir diesen Zug bei der angebotenen Bus-Lösung nicht einmal betreten würden, war zunächst keine Rede mehr.
Doch endlich und unerwartet ergab sich eine für uns doch noch vollkommen zufriedenstellende Lösung. Per Fax bestätigte uns Herr Rolf Becker, Leiter Beratung und Verkauf bei bahnurlaub.de, dass wir die Glacier-Fahrt um einen Tag verschieben könnten, faxte uns auch gleich die Platzkarten-Umbuchung mit, bestätigte, dass alles für uns vollkommen kostenfrei geschehe, entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten, organisierte die Unterkunft wiederum im Hotel Soldanella und lud uns als kleine Entschädigung zu einer Flasche Sekt an der Hotelbar ein. Von hier aus einen ganz herzlichen Dank und ein großes Lob für seine Umsichtigkeit und Kundenfreundlichkeit, mit der er agierte.
Am nächsten Tag fuhr unser Glacier wieder, die RhB (ein beeindruckendes Unternehmen!) hatte bis in die Nacht hinein gearbeitet und nach den Lawinenabsprengungen die Strecken wieder freibekommen). Eine Fahrt, die einfach nur überwältigend war, ein einziger siebeneinhalbstündiger Höhepunkt. Und damit ist nicht nur die einzigartige Schönheit der Landschaft und die wildromantische Streckenführung gemeint, sondern auch der tolle Service an Bord, denn unsere (um)gebuchten Plätze waren anfangs nicht zusammenhängend, sondern verstreut. Kein Problem für den hilfsbereiten Zugbegleiter, der ein bisschen tauschte und alles zu unserer vollsten Zufriedenheit arrangierte.
So ging denn ein fantastischer Tag zu Ende, gekrönt durch einen freien und atemberaubenden Blick auf das Matterhorn.
Die Rückfahrt verlief reibungslos, und die vielen Eindrücke dieser insgesamt tollen Reise werden noch lange anhalten.