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Bahnreisen Glacier Express
TIP DER WOCHE
Glacier Express und
Bernina - Pullman-Express
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Pressetexte


Schnee am Ende des Tunnels

Die Rheinpfalz am Sonntag/02.03.2008 von Gerhard Fitzthum

Schnee am Ende des Tunnels

In Sachen Zugfahren ist die Schweiz unschlagbar. Auf dem weltweit dichtesten Schienennetz gelangt man in die entfernsten Täler und zu den spektaulärsten Aussichtspunkten, auch im Winter. Eine Form des Reisens für Menschen mit Zeit.

Der ICE hat sich in eine Art Straßenbahn verwandelt. Statt durch offene Landschaften zu rasen, schieben sich die weißen Waggons durch ein verschneites Alpenstädtchen. „Interlaken Ost, Endstation“, tönt es aus dem Bordlautsprecher. Wir sind da.
Mit dem ICE in den Winter – eine feine Sache! Los ging es heute Morgen in Karlsruhe. Nichteinmal drei Stunden brauchen wir, um sie das erste Mal zu sehen, die Giganten des Berner Oberlands, Eiger, Mönch und Jungfrau. Dazwischen lag die erfüllte Zeit einer Bahnfahrt, bei der Vergnügungen wie Schauen, Schlummern und Zeitunglesen einander abwechselten.
In Sachen Bahnreise sind unsere südlichen Nachbarn unschlagbar. Der kleine Alpenstaat lockt mit dem weltweit dichtesten Streckennetz. Selbst entlegenste Destinationen wie Arosa, Davos, Scuol, Gstaad und Zermatt sind auf der Schiene erreichbar – und das im Stundentakt, superpünktlich und streickfrei. Lokführer und Kondukteure werden hier nämlich anständig bezahlt. Interlaken ist das ideale Basislager für die renommierten Wintersportplätze der Jungfrau-Region. Hier unten übernachtet man weit preisgünstiger und ist doch in einer halben Stunde in Grindewald, Wengen oder Müren. Mit einem Skiabonnnement oder dem Wander- und Schlittelpass ist die Nutzung des gesamten Streckennetzes der Berner Oberlandbahn kostenlos – ausgenommen die Auffahrten zu Jungfraujoch und Schilthorn.
Zum Vierwaldstätter See gibt es eine direkte Verbindung über den Brünig-Pass. Die Strecke der Golden-Pass-Line steht ganz zu Unrecht im Schatten der Glacier-Express-Route. Zunächst zuckelt die Schmalspurbahn am türkisgrünen Brienzer See vorbei, an dessen Südufer wild zerklüftete Dreitausender aufragen. Nach zwei Stunden Landschaftsgenuss erreichen wir Luzern, besichtigen die schöne Altstadt und das direkt am See gelegene Verkehrshaus, ein Museum, in dem auch die berühmtesten Loks und Waggons der schweizer Bahngeschichte zu bewundern sind. Der Vierwaldstätter See lädt zu winterlichen Bootsrundfahrten ein, bietet aber auch drei hochkarätige Aussichtspunkte, die allesamt auf der Schiene erreichbar sind: den Pilatus, das Stanserhorn und die Rigi. Wer sich für Letztere entscheidet, findet oben ein Netz an Winterwanderwegen vor und jenes einmalige Panorama, das die Rigi zum schweizer Aussichtsberg schlechthin gemacht hat.
Am nächsten Morgen steht die altehrwürdige Gotthard-Linie auf dem Programm. Das ist keine touristische Kleinbahn, sondern eine Hochleistungsstrecke des internationalen Waren- und Personentransports. Wo es steiler wird, legt der Intercity ein paar irritierende Ehrenrunden ein: Dreimal fahren wir am hübschen Kirchlein von Wassen vorbei, zweimal von Nord nach Süd, einmal in Gegenrichtung. Ohne geografisch vorwärtszukommen, schraubt sich der Zug hier mittels sogenannter Kehrtunnels 95 Meter in die Höhe.
Noch spannender wird es in Göschenen, wo wir auf die Meterspur zurückwechseln. Wie in Zeitlupe schieben sich die zahnradgetriebenen Waggons der Matterhorn-Gotthard-Bahn durch Lawinengalerien aufwärts. Am Gegenhang strecken sich vereiste Felshänge in den Himmel. Auch auf der schneebedeckten Kantonstraßen ist Ruhe eingekehrt. Was sich hier noch bewegt, bewegt sich im Schritttempo, langsamer noch als unsere Bähnli.
Die spektakuläre Fahr endet in Andermatt, von wo aus wir mit dem Glacier Express nach Zermatt weiterfahren wollen. Der geht jedoch erst am Nachmittag, so dass wir erst mal in den Gegenzug zum Oberalppass einsteigen. In weniger als einer halben Stunde erreicht er den höchsten Punkt der Glacier-Express-Route. Umgeben von einer weltfern gleißenden Gipfelwelt bummeln wir nun auf der Straße zurück nach Andermatt. Im Winter ist sie für den Autoverkehr gesperrt und verwandelt sich in einem der schönsten Winterwanderwege der Schweiz.
Reserviert haben wir einen Platz im Gourmino-Waggon, dem holzgetäfelten Bordrestaurant. Mit dem Panorama ist es nun aber vorbei. Der langsamste Schnellzug der Welt fährt seit Jahren nicht mehr die hochalpine Strecke über die Furka, sondern nur noch durch den gleichnamigen Tunnel. Als wir auf der Walliser Seite wieder ans Tageslicht kommen, ist es, als hätten wir das Universum gewechselt: Es schneit, was das Zeug hält. Die kompakten Walserdörfer, am denen die Fahrt vorbeigeht, bestehen aus wettergegerbten Holzhäusern.
Walser waren es auch, die vor rund tausen Jahren das obere Mattertal besiedelten. Damals lebten die Selbstversorgerbauern noch auf fünf Dörfchen verteilt. Heute konzentriert sich alles auf den Weiler Hoferu, der besser unter dem Namen Zermatt bekannt ist. Die behagliche Siedlung von einst hat sich in ein hektisches Städtchen verwandelt, das immerhin autofrei ist. Um dem Trubel zu entrinnen, steigen wir in die Gornegrat-Bahn. Seit 1898 bringt sie Touristen zu einem der spektakulärsten Aussichtsplattformen des Monte-Rosa-Gebiets mit Blick auf das einzeln stehende Matterhorn. Zu den Gletschern muss man von hier aus hinunter sehen. Japaner stochern in Halbschuhen durch den Schnee.
Die Rückreise führt uns durch den neuen Lötschberg-Basistunnel. Die Fahrzeit von Zermatt nach Bern verringert sich durch ihn um 70 Minuten. Im einstigen Armenhaus der Schweiz verspricht man sich viel von der neuen Verkehrsachse. Bislang waren die Deutschschweizer Wintersportler im Berner Oberland oder in der Suisse Romande, in Verbier oder Porte du Soleil hängengeblieben. Jetzt liegen Saas Fee, Zermatt und die Skigebiete des Aletschgebiets direkt vor der Haustür.
Wir sind vom eisenbahntechnischen Jahrhunderwerk weniger begeistert. Schnell ist der Intercity im Untergrund verschwunden und donnert mit 200 Stundenkilometern durch die Röhre. Basistunnel sind doch eher etwas für Leute, die keine Zeit haben. Wir indes haben in den letzten Tage das lieben gelernt, was andere Zeitverschwendung nennen.

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