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Glacier-Express und Berninabahn im Winter
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Pressetexte


Jungfraubahn

Der Spiegel/ 05.12.2002 von Tobias Wiethoff

Zahn für Zahn den Berg hinauf

In einer Höhe von 3454 Metern existieren Adler, Pinguin und Bär friedlich nebeneinander. Die Eisskulpturen sind neben echten Polarhunden auf dem Schweizer Jungfraujoch zu bestaunen - ist erst die Fahrt mit der überfüllten Zahnradbahn geschafft.

Wengen/Grindelwald - Urlauber aus dem Flachland auf den 4158 Meter hohen Gipfel der Jungfrau bringen? - kein Problem, befand ein Schweizer Unternehmer späten 19. Jahrhundert. Man müsste nur zwei Röhren bauen und komprimierte Luft hindurchschicken - ein Prinzip, das sich bei der Rohrpost bestens bewährt habe. Die dann realisierte Lösung war nicht ganz so elegant, aber nicht weniger kühn und sicher der Gesundheit zuträglicher: 1896 wurde mit dem Bau einer Zahnradbahn mitten durch den Fels von Eiger und Mönch begonnen.

Veranschlagt hatte der Initiator Adolf Guyer-Zeller, ein Zürcher Textilunternehmer, sieben Jahre für die Arbeiten am Tunnel - es wurden 16 daraus. Das eigentliche Ziel, der Gipfel der Jungfrau, blieb trotzdem unerreicht - die Bahn endet bis heute auf dem Jungfraujoch in 3454 Metern Höhe. Für den europäischen Rekord genügt das immer noch - kein Wunder also, dass der Name des Berghauses "Top of Europe" lautet.

Rund 500.000 Besucher werden in stürmischer Höhe Jahr für Jahr gezählt. Die Jungfraubahn hat sich trotz der für damalige Verhältnisse astronomischen Baukosten von 15 Millionen Franken finanziell gelohnt und gilt als eine der rentabelsten ihrer Art.

Dafür bekommen die Passagiere ein Panorama geboten, das an guten Tagen bis in die Vogesen und in den Schwarzwald reicht. Direkt vor den Füßen schlängelt sich wie ein Meer aus Zuckerwatte der Große Aletschgletscher dahin, der Ende 2001 in das Unesco-Weltnaturerbe aufgenommen wurde. Welche bizarre Formationen das nicht mehr ganz so ewige Eis manchmal ausbilden kann, lässt sich schon während der Fahrt mit der Jungfraubahn bestaunen: An zwei Haltepunkten wurden Fenster in den Fels geschlagen, die einen Ausblick auf den Eigergletscher und die erstmals 1938 bezwungene Eiger-Nordwand erlauben.

Am Jungfraujoch starten Touren zum 4099 Meter hohen Mönch, dem alpinistisch genügsamen Mittelpunkt des Dreigestirns Eiger-Mönch-Jungfrau. Auch Schlittenfahrten mit Polarhunden können im Sommer auf dem Aletschgletscher unternommen werden. Die Ahnen dieser Tiere wurden noch mit Unterstützung des norwegischen Polarhelden Roald Amundsen in Grönland angeschafft. Im fünfstöckigen Berghaus "Top of Europe" warten mehrere Restaurants und eine Poststelle, die sich ähnlich wie die Bahnstation als höchste in Europa bezeichnet.

Wichtigste Attraktion am Jungfraujoch ist aber neben der Aussicht der Eispalast mit seinen labyrinthartigen Stollen und kunstvollen Eisskulpturen. Zwei einheimische Bergführer schufen ihn mit Pickel und Säge in den dreißiger Jahren. Beendet ist das Werk aber nie, da der Palast die Tendenz hat, zusammen mit dem Jungfraugletscher ins Tal zu fließen. Auch an den Adlern, Bären und Pinguinen aus Eis wird permanent gearbeitet - ihnen macht die Körperwärme der vielen Besucher zu schaffen. Der Eispalast muss sogar trotz einer mittleren Außentemperatur von minus acht Grad künstlich gekühlt werden.

Das geht immerhin ohne größere Energieverschwendung ab, da die entzogene Wärme der Heizung des Berghauses dient. Auch die Jungfraubahn selbst gibt sich umweltfreundlich: Ihre Bremsenergie wird in Strom umgesetzt und in die Fahrleitung zurückgegeben. In solch kleinen Triumphen erschöpft sich heute die eidgenössische Ingenieurskunst an Eiger, Mönch und Jungfrau. Die ganz verrückten Zeiten sind für die Schweizer eben doch vorbei.

Von Tobias Wiethoff, gms






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