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Bahnreisen Glacier Express
TIP DER WOCHE
Glacier Express und
Bernina - Pullman-Express
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Pressetexte


Luxuszüge

Maja Bilic/09.10.2005

Luxuszüge
Wenn der Weg das Ziel ist: Es geht nicht um Tempo und Termine, es geht um Komfort und um das Gefühl, auf den Rädern der König zu sein.

"Ich liebe seinen Rhythmus, Allegro con Fuoco zu Anfang, das Schütteln und Rattern in der wilden Hast, Calais und den Okzident hinter sich zu lassen; es vermindert sich auf dem Weg nach Osten zu einem Rallentando, bis es in einem unverkennbaren Lento endet."

Diese Liebeserklärung war Agatha Christie der Orient- Express wert – legendärster Luxuszug und Beginn einer faszinierenden Geschichte des stilvollen Reisens.


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Flair und Eleganz
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Im Sonnenuntergang des 4. Oktober 1883 startete auf dem Pariser Bahnhof Gare de Strasbourg die neue Ära: Der "König der Züge" machte sich auf den Weg von Paris über Straßburg, München, Wien und Budapest nach Bukarest.

Viele weitere Luxuszüge, geschaffen nach dem Vorbild des unschlagbaren Orient- Express, sollten folgen. Mit einigen von ihnen waren wir in Gedanken unterwegs...

Flair und Eleganz
Bei Giurgewo, kurz nach Bukarest, mussten die Reisenden mit dem Schiff die Donau überqueren und fuhren dann weiter bis nach Varna am Schwarzen Meer. Eine erneute Schifffahrt brachte die Gäste in fünfzehn Stunden an das langersehnte Ziel: Es hieß Konstantinopel, das heutige Istanbul. Ab 1889 nahm der Zug den Weg über Belgrad - ohne umzusteigen konnten die Passagiere nun Konstantinopel erreichen.

Gobelins und Kristall
Der Belgier Georges Nagelmackers hatte die Vision, Paris und Konstantinopel per Zug zu verbinden und eine Reise mit allen auch nur erdenklichen Annehmlichkeiten zu bieten. Die Idee wurde umgesetzt und mit dem Orient-Express ein Hotel auf Rädern geschaffen: Bequeme Schlafwagen, der Speisewagen ausgestattet mir wertvollen Gobelins und vierarmigen Gaskronleuchtern, die Tische eingedeckt mit Kristallgläsern, Porzellan- geschirr und Silberbesteck.

Reich und berühmt
Drei Nächte und zwei Tage dauerte die 3186 Kilometer lange Fahrt: Der Weg - und nicht erst das Ziel - als Erlebnis und Genuss. Die Sehnsucht nach der geheimnisvollen Welt des Orients lockte die Reichen und Berühmten: Franzosen, Bayern, Österreicher, Bulgaren und Türken frequentierten Abteile und Gänge.

Die Luxuszüge, welche die hochalpinen Regionen der Schweiz anliefen, hatten ein anderes Klientel: Die gefahrenreiche, wilde und geheimnisvolle Welt der Alpen weckte bei der "high society" der britischen Insel das Reisefieber. Einer dieser Luxuszüge war derEngadin-Express, der erstmals am 4. Juli 1896 zwischen Calais und Chur verkehrte, mit einem Zweig nach und von Interlaken.

Knapp 22 Stunden dauerte die Reise von London nach Chur. Aber Nagelmackers wollte mehr: Der visionäre Gründer der Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express Européens, weltweit unter dem Siegel CIWL bekannt, sagte bei der Eröffnung der Generalversammlung am 11. März 1884: "Wir beschäftigen uns mit einem weiteren großen internationalen Zug, der, ausgehend von Sankt Petersburg, über Berlin, Paris und Madrid, in Lissabon nahtlosen Anschluß an die Südamerika-Dampfer herstellt."

Nagelmackers Plan, die 4834 Kilometer lange Strecke völlig ohne Wagenwechsel zu bewältigen, wurde nicht realisiert.

Es gab Umwege und Verzögerung. Für die erste Teilstrecke, Calais-Paris-Madrid- Lissabon, wurde im Jahre 1887 der Süd- Express eingerichtet. Erst 1896 geht der Nord-Express, der die zweite Teilstrecke umfasst, auf Fahrt. Zwar muss der Zug dreimal gewechselt werden, aber die direkte Verbindung zwischen Sankt Petersburg und Lissabon ist durch den Anschluß des Nord- an den Süd-Express im Pariser Nordbahnhof hergestellt.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 allerdings wurde jeglicher internationaler Eisenbahnverkehr in Europa eingestellt. Die Bilanz der CIWL bis zu diesem Zeitpunkt konnte sich sehen lassen: Seit 1883 wurden insgesamt 27 große Europäische Expresszüge eingerichtet. Nach dem Krieg nahmen nurwenige wieder die Fahrt auf und die Welt- wirtschaftskrise führte zu Einschränkungen: Die bisherige Exklusivität der Ersten Klasse wurde durch die Einführung der Zweiten Klasse aufgehoben. Fünf Monate nach dem Ende des Krieges, am 11. April 1919, war die (Wieder-) Eröffnungsfahrt des Orient-Express, der ab sofort offiziell Simplon-Orient-Express hieß, Ereignis des Monats.

Bogen um Deutschland
Die siegreichen alliierten Länder hatten die Streckenführung geändert: Der Simplon- Orient-Express machte einen Bogen um Deutschland und fuhr durch die Schweiz und den speziell gebauten Simplon-Tunnel nach Mailand, Venedig, Triest und Zagreb bis nach Istanbul durch.

Um große Entfernungen schnell und bequem zu überwinden, nutzte man fast ausschließlich Züge. Neben der führenden CIWL
bemühten sich auch andere Schlaf- und Speisewagenunternehmen um die Gunst der Fahrgäste. Auch die 1916 gegründete Mitteleuropäische Schlaf- und Speisewagen Aktiengesellschaft, kurz Mitropa, hatte nur ein Ziel: Verbesserung des Serviceangebotes auf der Schiene. Ganz Europa schwärmte schon bald von der Mitropa und dem Rheingold, ihrem bekanntesten Luxuszug, der ab 1928 von Holland in die Schweiz verkehrte.

Romantische Landschaften
Da diese Strecke bereits von Luxuszügen wie dem Flèche d´Or oder auch dem Edelweiss befahren wurde, galt es nun, den Rheingold konkurrenzfähig zu machen: Der Zug fuhr am Rhein entlang - eine lange Strecke voller Landschaften mit altertümlicher Romantik.

Und der exquisite Luxuszug konnte sich sehen lassen - von außen wie von innen: Die Salonwagen zeichneten sich durch ihren violett-crèmefarbenen Anstrich und durch die vergoldeten Aufschriften aus.

Ende einer Ära
Im Innenraum der Ersten Klasse glich kein Wagen dem anderen: Möbel und Beleuchtung, Stoffbezüge der Sessel, selbst die Teppiche unterschieden sich in Form und Farbe.

Wieder war es ein Krieg, der die Luxuszüge zum "Halt" zwang: Der Zweite Weltkrieg - diesmal kein nur vorläufiges Ende. Zwar erlebte der Reiseverkehr in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg schon bald einen spürbaren Aufschwung, aber der zunehmende Auto- und Flugverkehr brachte den Stern der Luxuszüge zum Sinken. Politische Querelen, gerade im Südosten Europas, erlauben ein Aufblühen der alten Herrlichkeit kaum mehr.Doch Flair und Eleganz des antiquierten Reisens lassen sich auch heute noch in den detailgenau restaurierten Waggons des Simplon-Orient-Express nachvollziehen. Nachdem der Zug 1977 seine vorerst letzte Fahrt antrat, ersteigerte der Brite James B. Sherwood die Wagen und ließ sie für elf Millionen Pfund restaurieren.

Heute befördert der Simplon-Orient-Express Passagiere im exquisiten Ambiente quer durch Europa auf einer der romantischsten Reisen der Welt: Im Salonwagen warten Stewards auf Bestellungen, während sich der Barpianist für den Abend vorbereitet und die Köche die Menüs herrichten - alles inklusive.

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